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Erkundungen

27. Juni 2016

Ich bin einem Buch begegnet, Bernhard Schlink, Erkundungen. Anfangs hielt ich es für noch einen Roman. Aber das ist es wohl nicht. Das macht mich neugierig.

„Das Moralische versteht sich von selbst“

Wie Vischer* die Aufhebung des Zufälligen im Schönen versucht hat, ist hier nicht näher zu schildern. Methodisch an Hegel und inhaltlich an Schelling anküpfend, wollte er das Schöne zunächst als das Erhabene und das Komische, dann als das natürlich entstandene Naturschöne und das vom Menschen geschaffene Phantasieschöne, dann als das subjektiv und das objektiv Schöne und schließlich als das Schöne der verschiedenen Künste systematisch entfalten. Am Ende sollte, wie er einleitend versprach, alles und auch aller Zufall „im Schönen harmonisch verschmolzen und die letzte Spur des Widerspruchs getilgt“ sein.

    Aber es gelang Vischer nicht. (S.64f)

Und weiter schreibt Schlink:

Er konnte schon bei Kant finden, dass „es keiner Wissenschaft und Philosophie bedürfe, um zu wissen, was man zu tun habe um ehrlich und gut … zu sein“, und bei Hegel, dass die Wahrheit über die Sittlichkeit öffentlich bekannt und dass es „das einfache Verhalten des unbefangenen Gemütes ist, sich mit zutrauenesvoller Überzeugung an die öffentlich bekannte Wahrheit zu halten und auf diese feste Grundlage seine Handlungsweise … zu bauen“. (S.67)

Doch: Darwin beobachtet, dass instinktives tierisches Verhalten oft ist, was beim Menschen als moralisch verstanden wird: koordiniert und kooperativ, liebevoll, fürsorglich, opferbereit, tapfer. (S.67)

Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Pred. Salomo 1,9;

„Entschuldigen Sie mal. Sie wiederholen sich.“

    „- Das stimmt.“

Bernhard Schlink: Erkundungen zu Geschichte, Moral, Recht und Glauben. Diogenes 2015. ISBN 978 3 257 06936 5

* Der Philosoph Friedrich Theodor Vischer mit seinem 1879 erschienen Roman Auch einer wird hier als Zeitzeuge herangezogen.

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From → Sprache

6 Kommentare
  1. Graugans permalink

    Sehr interessant, lieber Mick…lese aber grad noch den Owen Meany und was glaubst Du? Ich verlieb mich grad immer mehr in dieses Buch…hätt ich nie gedacht…unglaublich, aber Du hast so einen Riecher für Geschichten, in die ich ohne Dich nicht eingetaucht wäre…und jetzt hören sich die „Erkundungen“ auch schon wieder so gut an, obwohl ich sein Buch „Der Vorleser“ nicht sooo gern mochte. Ach, und daß der Prediger Salomo immer wieder auftaucht, das freut mich sehr! Viele liebe Grüße an Dich, ich lese hier sehr gerne, ist ein leiser, angenehmer Ort, gottlob auch etwas entschleunigt, dank Schnecke…

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    • mickzwo permalink

      Das freut mich. Dieser John Irving ist schon klasse. Klasse, weil genau beobachtend. Den Vorleser habe ich auch gelesen. Da wusste ich noch nicht wer dieser Schlink war. (Wahrscheinlich weiß ich es heute auch nicht, kenne ihn ja nur über die Klappentexte.) Eigentlich ist das ganz gut, wie ich finde. Zu viel Information weckt manchmal sehr hohe Erwartungen. Doch da erging es mir ähnlich wie Dir. Vielleicht sollte ich ihn jetzt noch einmal lesen. Mal sehen.
      Den Prediger Salomo habe ich wirklich ins Herz geschlossen. Überhaupt findet sich in dem dicken, schwarzen Buch vieles was des Nachdenkens Wert ist. Manches kann man wörtlich nehmen, das meiste allerdings nicht.
      Schön, dass Du einen Platz für Dich gefunden hast der leise, angenehm und etwas entschleunigt ist.
      Ich danke Dir für den freundlichen Kommentar, mick.

      Gefällt 1 Person

      • Graugans permalink

        Lieber Mick, ich meinte mit dem leisen, angenehmen und entschleunigten Ort den hier, Micks Ort mit der Schnecke. Bin gern da. Liebe Grüße

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        • mickzwo permalink

          Liebe Graugans!

          Es wäre eine Lüge, fühlte ich mich jetzt nicht geschmeichelt. Ich bin es sogar sehr!
          Aber jeder kennt das Bild von dem Zug, der auf einen zukommt und man kann nicht ausweichen. Mist. Der Hüsch es mal so gesagt: „Die einen werden sagen, er hat zu viel getan, die anderen aber sagen, er hat sich zu wenig bewegt!“
          Es ist eben nicht der Mick. Es ist mick. Da gehören mindestens noch zwei andere dazu. willi und ernst. Erst dann bin ich komplett. Ich hoffe doch nicht, dass ich so fertig bin, aber vollständiger vielleicht.

          Zwei lesen ein Buch – update

          Viele Grüße. mick

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