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Kleine Lichter

5. September 2016

Da stehen und schwärmen, und du hättest Recht. *

Habe dem Wind gelauscht, Brandungen gesehen, Mondaufgänge und -untergänge auch. Den Lauf der Sonne habe ich verfolgt. Sie schmeichelte der Landschaft und wärmte sie. Setzte sie so quasi ins richtige Licht. Die Tropfen des Regens sind vor meinen Augen zerplatzt, verdampft und so weiter und so fort.

Wenn man hofft, dass Wunschträume wahr werden, muss man immer auch mit Alpträumen rechnen.

Ich bin dann mal wieder da. War unterwegs. Nachgucken, ob es hier auch so schön ist, wie anderswo. Ist es. Keine Sorge. Nur eben anders schön. Mit der Heimat ist es ja fast wie mit den Beziehungen. Nur manchmal noch schneller. Und aussuchen kann man es sich nicht, wo man „aufgewachsen worden ist“.

Die Ehe schon – und die die Liebe? Wohl nicht. Ist ja Liebe..da spielen doch Menschen mit.

Ich saz ûf eime steine

Ich saz ûf eime steine,
und dahte bein mit beine;
dar ûf satzt ich den ellenbogen;
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.
dô dâhte ich mir vil ange,
wie man zer werlte solte leben:
deheinen rât kond ich gegeben,
wie man driu dinc erwurbe,
der deheinez niht verdurbe.
diu zwei sint êre und varnde guot,
der ietwederz dem andern schaden tuot,
daz dritte ist gotes hulde,
der zweier übergulde.
die wolte ich gerne in einen schrîn.
jâ leider desn mac niht gesîn,
daz guot und werltlich êre
und gotes hulde mêre
zesamene in ein herze komen.
stîg unde wege sint in benomen:
untriuwe ist in der sâze,
gewalt vert ûf der strâze;
fride unde reht sint sêre wunt.
diu driu enhabent geleites niht,
diu zwei enwerden ê gesunt.

Wie Walther von der Vogelweide diese Worte im 12. Jahrhundert gemeint hat, darüber läßt sich trefflich streiten. Wie über so vieles. Anyway. Der kürzeste Weg zwischen ‚a‘ und ‚b‘ ist eben selten eine Gerade.

  „Es ist seltsam, Menschen werden zurückblicken auf einen Abschnitt ihres Lebens, sie werden nicht wissen, wer an der Macht, wer in den Charts war oder wie die Börse stand, aber sie werden wissen, was sie in der Zeit, an der sie kaum teilnahmen, anhatten, ob es schick war, und wie sich das Leben in solchen Kleidern anfühlte.“ S.98

Auf den letzten Metern habe ich die „Kleinen Lichter“ entdeckt. Das lese ich jetzt, und kann es – glaube ich – sehr empfehlen. Überhaubt haben „Glaube“ und „Liebe“ viel miteinander zu tun.

  „Ich habe Heimweh nach dir, jetzt da ich das Wunder hinter mir habe. Das Wunder mit dem Namen: Ich war plötzlich in der Liebe zu Hause.“ S.182

Als Kleines Licht wird umgangssprachlich oft ein Mensch bezeichnet, der nicht so berechnend ist. Weniger, weil er es nicht will, als dass er es einfach nicht kann. Er ist eben nichts besonderes und wird deshalb auch so angesehen. Er ist eben ein Kleines Licht, nicht so ganz helle im Kopf (umgangssprachlich).

Und Treue, die gibt es.   „In der Liebe gibt es keine Trennlinie zwischen Original und Fälschung.“ S.192

Das glaube ich jetzt einmal.

Roger Willemsen: Kleine Lichter. Roman, 2006. Fischer-TB; Frankfurt a.Main.
ISBN 978 3 596 17044 9

* S.5, ebenda.

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From → Liebe, Sprache

8 Kommentare
  1. Graugans permalink

    Lieber Mick, ich freu mich einfach immer, hierherzukommen…was Du eingangs wieder gesagt hast…so schön und herzerwärmend…ich steh da und schwärme von diesem Ort hier und wie Du schreiben kannst…und…ich habe Recht! Liebe Grüsse von mir an Dich!

    Gefällt 1 Person

  2. Klingt wie eine gute Empfehlung. Danke.

    Gefällt 2 Personen

  3. Ich muss zu meiner Schande gestehen, daß Roger Willemsen, von sporadischen Fernsehdiskussionsreinzappsichtungen abgesehen, ziemlich an mir vorbeigelaufen war. Deshalb war ich recht überrascht, als bei seinem Tod die (intellektuelle) Welt kurz innezuhalten schien. Obiges spricht mich aber an und läßt mich dann vielleicht beim nächsten Buchhandlungsbesuch mal zugreifen, durchblättern und vielleicht kaufen? Danke also, prophylaktisch.

    Gefällt 1 Person

    • mickzwo permalink

      Es ist keine Schande, wenn man Roger Willemsen nicht kennt. Selbst wenn man ihn ignoriert, ist das heute keine Schande mehr. Wir werden doch zu Tode informiert. An jeder Ecke wird getrommelt, was das Zeug hält. Bis wir aufmerksam sind. Eine Nachricht zu ignorieren bedeutet sich selbst zu schützen.

      Wenn Du allerdings zu der Auffassung kommst – und sei es nur prophylaktisch – dich mit Herrn Willemsen zu beschäftigen, so freut mich das wirklich. Manchmal ist es auf- meistens ist es anregend. Ich weiß nicht mehr, wieso ich das Buch las, wahrscheinlich hatte es mir das Cover angetan. Ich kann es nur empfehlen.

      Gefällt 1 Person

      • Danke, NICHT kennen wäre zu wenig gesagt, also der Name sagte mir schon was, aber eben bei weitem nicht in dem Tiefgang den er hatte wie mir jetzt erst klar wird 😦
        Nochmal danke für den Anstoß, mal sehen was draus wird 😉

        Gefällt 1 Person

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