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Wie vor Jahr und Tag [- immer wieder.]

27. Oktober 2016

„Ohne Probleme zu erkennen, können wir keine Probleme lösen.“ *

Dieser Satz klingt so belanglos. Wenn man das Buch als Ganzes liest, sieht es so aus, als ob uns die Zeit davon läuft. Der Untertitel ist in der Form einer Suggestivfrage gehalten.

Überhaupt spielen die Autoren mit den Ängsten der Leute. Themen sind Big Data und Entwicklungen rund um die Zukunft der Künstlichen Intelligenz (KI).

Für eine ‚Krone der Schöpfung‘ ist der Mensch einfach zu behäbig – in dieser schnell-lebigen Zeit. Er ist nicht clever und nicht flott genug, um alles zu begreifen und zu sortieren, womit er da konfrontiert ist. Klug ist er ja, aber er braucht Zeit und die hat er nicht.

KI ist nicht gegen die Menschen aber auch nicht für sie. Sie tut nur das, was ihr aufgetragen ist. Wenn man sie lässt, bleibt sie immer dran. Sie will gut sein, fleißig arbeiten, ist niemals krank, hat weder Feiertage noch Urlaub und beschweren, das macht sie nie. Dabei ist sie unglaublich schnell und mittlerweile auch lernfähig.

Vom Knecht des Menschen hat sie sich, durch ihre Fähigkeiten und Genügsamkeit, gepaart mit der Neigung des Menschen zur bequemen Lebensart, hoch gearbeitet. Die Reproduktion ist für sie nur ein Augenblick. Darum ist sie unsterblich.

Das Internet vergisst nicht – dank ungeheurer Speicherkapazitäten. Langsam kam diese künstliche Intelligenz aber dafür umso gewaltiger. Sie bestimmt nun unser Leben mehr und mehr. Das Sterben auch.

Unmerklich drängt sich intelligente Software immer tiefer in Aufgaben, die früher menschlichen Spitzenkräften vorbehalten waren. Künstliche Intelligenz ist das >>Next Big Thing<<.
Täglich übertragen wir intelligenten Programmen immer mehr Verantwortung für die Energieversorgung, für die Sicherung von Nahrungsversorgung und Naturressourcen.
Aber was passiert, wenn wir ein intelligentes Wesen kreieren, das dem Menschen weit überlegen ist? (…) **

_____________

Wahrnehmung
Etwas ist für mich wahr, darum nehme ich es. Also auch ‚Annahme‘.

Ich nehme also etwas an, weil ich für so etwas Interesse habe.

[Erster Einwand] Spiegel helfen da nicht wirklich weiter. Zumindest sind sie oft seitenverkehrt. [Vormals tippte der Schlaumeier – z.Tl. auch Schlauberger, Schweinchen schlau usf, genannt – mit dem Zeigefinger auf die Ausgabe der örtlichen Tagespresse und sagte: „Steht doch hier!“]
Seit geraumer Zeit ist der Hinweis auf computergesteuerte Auswertung werbewirksamer.

[Neuerlicher Einwand] Akademiker, und auch viele Intellektuelle, werden so Bezeichnungen wie Schweinchen schlau (z.B) weit von sich weisen. Schließlich halten sie zur örtlichen auch noch die überörtliche Presse!

[Exkurs]
‚To compute’ist englisch und bedeutet so viel wie berechnen, veranschlagen, kalkulieren. (http://dict.leo.org/ )
– Guter Mann, das wissen wir doch schon längst!

Ok, Ok – Oh kay?! Also ’nehmen‘ ist sogar ein starkes Tuwort.
Folgt man dem Duden zur Herkunft dieses Tuworts, so kommt man auch auf die ursprüngliche Bedeutung ‚(sich selbst) zuteilen‘ (http://www.duden.de/rechtschreibung/nehmen). S.a. in diesem Zusammenhang: ‚übernehmen‘. [Hier insb.: „Typische Verbindungen (computergeneriert)“]

Das Wort ‚wahr‘ bezeichnet die Eigenschaft, beispielsweise einer ‚Sache‘. Es wird darum auch als ein Wiewort bezeichnet. Die Herkunft des Wiewortes ‚wahr‘ kann man nachschlagen. In diesem Zusammenhang bedeutet es soviel wie ‚vertrauenswert‘ (http://www.duden.de/rechtschreibung/wahr).

Die Wortart von ‚Wahr­heit, die‘ ist im deutschen ein Hauptwort und weiblich.

‚Interesse, das‘: Dieser Ausdruck ist als ein sächliches Hauptwort klassifiziert.
Die Herkunft dieses Begriffs wird im Wiktionary so erklärt: von lateinisch: inter = zwischen und esse = sein. Im Mittellateinischen wurde das Verb substantiviert und im 15. Jh. ins Deutsche entlehnt, wo es anfangs ein anderes Bedeutungsspektrum besaß (entgangener Nutzen, durch Versäumnis erwachsener Schaden; Zinsen, Vorteil). Erst im 18. Jh. übernimmt es die Bedeutung Aufmerksamkeit, Anteilnahme aus dem Französisch: intérêt, diese Bedeutung wiederum stammt aus der lateinischen Form interest = „es ist von Wichtigkeit“. (https://de.wiktionary.org/wiki/Interesse)

[Schon wieder ein Einwand]
Was soll das?
– Das weiß ich doch nicht!
Das weiß der auch nicht. Wie so vieles. Außerdem kommt plötzlich, von rechts, der alte Marktspruch auf ihn zu: Nur Bares ist Wahres. Das hat gesessen.
Doch der berappelt sich. Läßt sich nicht unterkriegen. Wie auf ein Zeichen begibt er sich auf neuerliche Erkundung. ‚Cash is king‘, wird da als Übersetzung gefunden. Es riecht förmlich nach ‚Geschäften‘.

‚Ge­schäft, das‘: Es ist wieder ein Hauptwort und zwar ein sächliches. Sozusagen: neutral. Ah ja. Zur Herkunft: Übliches.

Lt. Gablers Wirtschaftslexikon lässt sich der Begriff ‚Geschäft‘ so definieren:

1. Kaufmännischer Sprachgebrauch: Bezeichnung für eine Unternehmung und für das Verkaufslokal (Laden) einer Unternehmung (meist Handelsbetrieb), aber auch für eine von mehreren Verkaufsstellen (Filialunternehmung). Unter Geschäft wird i.d.R. ein Einzelhandelsgeschäft verstanden.
2. Rechtlich: Handelsgeschäfte, Rechtsgeschäfte.
(http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/9411/geschaeft-v9.html)

Ein gutes Geschäft, so hat er gelernt, kommt dann zustande, wenn niemand sich hinterher über den sog. Tisch gezogen fühlt.
Wir sind also wieder bei dem ‚Annehmen‘. Und zwar von irgendwas. (Wegen dem Interessenausgleich.)

Annahmen
Ist etwas nur ‚wahr‘, weil ich mich dafür ‚interessiere‘?
Oder ist es umgekehrt? – Also wirklich… Ok!

‚Ungeduld, die‘ ist dem Artikel zufolge ein weibliches Hauptwort.
Das Selbe gilt aber auch für ‚Geduld, die‘.
_________________________________________________

Manchmal kommt man vom Hölzchen auf’s Stöckchen. Hm.

Dieses Buch wurde mir von einem älteren Herren sozusagen in die Hand gedrückt. Gewöhnlich lese ich so etwas gar nicht. Nicht, dass ich keine Ratschläge oder Tipps von Älteren annähme. Im Gegenteil. Es spielt für mich kaum eine für Rolle woher sie kommen, sie sollten nur zu denken geben..

Das gleiche gilt für Bücher. Mit solchen Büchern habe ich allerdings zu kämpfen. Keine wirkliche Literatur kommt daher. Es ist eher ein Aufruf, ein Pamphlet. Das eigentlich Schlimme ist, wenn sie berechenbar werden.

Wie ein Orakel wartet es ab, spiegelt die Erwartungen und Wünsche der Leser, und zieht sie so in seinen Bann. Dabei droht es – anfangs insgeheim, später dann offen – mit der Vergänglichkeit. Ganz im Sinne des Orakels legen die Autoren sich am Ende nun doch nicht fest.

Der Herr, der mir dieses Buch gab, zog seine Schlüsse und war von den Aussagen am Boden zerstört. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Wie soll ich diesem Menschen jetzt begegnen, was ihm sagen?

Wer in sich selbst ruht, kann überall zur Ruhe kommen. So in etwa? Ich nehme an, dass der Hüsch auch an so etwas dachte, als er seinen Text verfasste. Es passt jedenfalls auch ganz gut, wie ich glaube: Befund. [Man wird sehen.]

Es ist nicht erheblich, wieviel Müll links oder rechts, vor mir oder hinter mir ist. Man wird nichts ändern oder gar aufhalten. Doch lieber den ein oder anderen jungen Baum pflanzen? Mir scheint entscheidend wird sein, was einer wahrnimmt..

Das ist doch alles nichts Neues! Menschen wollen es so:

„Künstliche Intelligenz macht das Leben bequemer, Produkte billiger und macht einfach Spaß. Der Gabentisch biegt sich unter dem Gewicht der coolen Gadgets, die sie für uns kreiert. Das gefällt den Menschen. Das macht unkritisch. Doch werden wir die Konflikte mit Künstlicher Intelligenz wahrscheinlich nicht rechtzeitig kommen sehen.“ ***

Es ist alles eine Frage der Zeit und der Abläufe. Und wir sind nicht darauf gefasst. Wir sind betäubt von all den Annehmlichkeiten.

Man kann dazu auch beim Prediger Salomo nachschlagen. Wem das zu biblisch ist, der kann aber auch hier fündig werden.

Bei allem hatte er ein Lied von Reinhard May im Kopf Wie vor Jahr und Tag.

Wann hören wir auf zu daddeln, uns zu verhaspeln und zu verzetteln. Wir zocken, als hätten wir Ersatz für diese Welt. Glück funktioniert nie häppchenweise. Auch das: nichts Neues. Wir versuchen trotzdem beständig, es zu umgehen. Aus dem Bauch heraus.

Machen wir uns nichts vor: Wenn uns auch nur etwas an unserem Leben und Werten liegt, wenn wir also etwas vom Konsens unserer jeweiligen Gesellschaft bewahren wollen, für uns und unsere Nachkommen, zum Beispiel, dann müssen wir wachsam sein. Und findig. Spiegel helfen da nicht wirklich weiter. Wir haben nämlich nur die eine Welt. Nur die eine.
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Jay Tuck: Evolution ohne uns. Wird die Künstliche Intelligenz uns töten?
ISBN 9 783864 70401 7

* Evolution ohne uns. S.273
** Evolution ohne uns. (Aus dem Schutzumschlagstext, hinten.)
*** Evolution ohne uns. Ebendort S.273.

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From → Liebe, Sprache

7 Kommentare
  1. Naturbelassene Gebiete und getrennte Informationssystheme wären vielleicht zwei Möglichkeiten diesem Albdruck zu begegnen.

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