Skip to content

Radio Heimat

17. November 2016

Damals war auch scheiße! *

In letzter Zeit stolpere ich immer mal über den Begriff Heimat. Mal in großen Artikeln mal einfach nur als Stichwort, bestenfalls zum Denken gedacht. Und dann kommen immer wieder so Schlaglichter wie Home is where your heart is. Na toll. Wo ist denn mein Herz?

Wo gehöre ich hin?

Wo will ich hin? Wie eine Grippewelle umzingelt es mich. Das hält mich fest. Grässlich.

Einmal habe ich gesagt: Ich bin ein hiesiger. Kam gar nicht gut an. Sie war mit einem Schotten verheiratet. Und ich war auf der Suche. War gerade auf das platte Land gezogen worden und ich versuchte verzweifelt eine Heimat zu finden. (Nicht eine Frau.) Mir eine Heimat zu bauen war viel wichtiger. Das alles sollte doch repariert werden.

Wie diese Welt nun aussehen sollte, das wusste ich nicht. Ich war in ein Loch gefallen. Aus der Zeit in eine andere Realität. So anders war das. Musste total von vorne beginnen. Sich neu zu orientieren ist gar nicht so einfach. Nie ist so etwas einfach. Nie ist etwas einfach.

Zehn Jahre habe ich gebraucht um da anzukommen, wo ich jetzt bin. Und ich weiss immer noch nicht, ob das so alles seine Richtigkeit hat. Ich lebe so vor mich hin, an diesem Ort. Mir kommt das alles wie eine riesige Versuchsanordnung vor.

Versuch macht klug. Aber nicht zufrieden. Niemals. Von Moses heisst es im Alten Testament Er starb alt und Lebenssatt. Prost Mahlzeit. Wenn das der Plan ist.. dann gute Nacht, oder guten Morgen. Wie man’s nimmt.

Ach ja, da war noch was. Frank Goosen, Radio Heimat. Habe ich gelesen, und kann vieles daraus bestätigen. Man wird nicht klüger dadurch aber fröhlicher. Kommt heute in die Kinos. Muss ich mir natürlich ansehen. (Aber nicht deswegen. Ich bin jetzt schon froh, es vorher gelesen zu haben.)

So war das und so ist es. Immer noch.

Frank Goosen: Radio Heimat. Geschichten von Zuhause. Heyne-Verlag 2016. ISBN 978 3 453 50399 1

* Untertitel. Erstmals ist das Buch 2006 im Eichborn-Verlag im Frankfurt erschienen. Jetzt wird es verfilmt. Vermutlich habe ich es deshalb jetzt gesehen.

Advertisements

From → Liebe

12 Kommentare
  1. Ja, ich frag mich auch immer wieder : Wer pin ich??

    Gefällt mir

  2. Unter dem Sternum.

    Gefällt mir

    • mickzwo permalink

      Ich nehme an Du willst damit andeuten, das die Seele unter den Brustbein, quasi am Herzen lokalisiert werden kann. Allenfalls würde ich so ein Gefühl etwas tiefer, nämlich in den Magengrube ausmachen, jedenfalls bei mir. Das mag von Person zu Person differieren aber das Problem, das der Mensch als Zuschauer offensichtlich hat, ist damit noch lange nicht gelöst. Im Gegenteil. Die Tatsache, dass so ein Gefühl da ist, macht das Problem noch viel größer. (Sommerfest, auch von Frank Goosen.)

      Gefällt 1 Person

      • unter dem sternum oder mitten im sonnengeflecht, da ist da. (und die orte kriegen auch noch perfekte namen.) nur scheint sich das gefühl dauernd irgendwohin bewegen zu wollen, als seis damit nicht zuende lokalisiert + gefestigt. es hat einen ja auch weggetrieben von da, wo andere heimat verorten. (wenn man läuft, ist es still, als ob es in der hoffnung wär, es würd sich jetzt worauf zubewegen, wos sich fallen lassen könnt.)

        Gefällt 1 Person

        • mickzwo permalink

          Du hast vollkommen Recht. Wo es ist spielt im Grunde keine Rolle. Denn da ist ja da. Und ob man läuft oder geht fällt auch nicht so ins Gewicht. Hauptsache es ist so still, dass man überhaupt etwas hören kann, um zu beurteilen, worauf es sich zubewegen wird und wo es sich möglicherweise fallen lässt. Wenn man dann noch sehen wird, wie man sich geirrt hat, man hätte das Optimum erreicht (was wohl kaum passiert).

          Gefällt 1 Person

  3. Witziges Buch, hab ich auch als vom „Pott“ weit Entfernter sehr genossen,
    viele Grüße,
    Gerhard

    Gefällt 1 Person

  4. Tatjana permalink

    Wir haben mal versucht, in Grundschulpädagogik den Begriff ‚Heimat‘ zu definieren. War meiner Meinung nach sehr schwammig. Heimat lässt sich schlecht beschreiben. Es ist eher ein Gefühl und muss auch nicht orts-, sondern kann durchaus personengebunden sein. Man muss sich ja auch nicht nur an einem Ort „angekommen“ fühlen.

    Gefällt 1 Person

Trackbacks & Pingbacks

  1. Gott ist nicht schüchtern – Haltet euer Herz bereit | Alles mit Links.
  2. Haltet euer Herz bereit | Alles mit Links.
  3. Sommerfest | Alles mit Links.
  4. [Alles mit links] Radio Heimat – #Literatur

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: