Skip to content

H – wie Habicht (Teil drei)

19. Dezember 2016

Der Habicht war all das, was ich sein wollte: ein Einzelgänger, selbstbeherrscht, frei von Trauer und taub gegenüber den Verletzungen des Lebens. S.121

Es geht weiter, immer weiter. Endlos, so scheint es.

Die Welt in der sie(*) lebt, ist nicht meine. Für sie ist das Leben viel schneller, läuft die Zeit langsamer. Ihre Augen können den Flügelschlägen einer Biene mit der Leichtigkeit folgen, wie unsere eines Vogels folgen können. ‚Was sieht sie?‘ frage ich mich. Mein Gehirn schlägt Saltos, als ich versuche, mir das vorzustellen, denn ich kann es nicht. … Mein erbärmliches menschliches Sehvermögen ist vom Licht und den vielen Details überfordert, der Habicht aber nimmt alles gierig in sich auf – ein Kind, das fröhlich in einem Malbuch herumkritzelt, die Flächen mit Farbe füllt, und sich die Dinge auf diese Weise aneignet. Und alles, was ich denken kann ist: ‚Ich will zurück ins Haus.‘ S.139

Ein schönes Stück Arbeit hat die Protagonistin des Romans sich da vorgenommen. Für ein paar wichtige Entscheidungen, die hier zu treffen – und natürlich auch umzusetzen – sind, bekommen wir das Privileg, Zuschauer zu sein.

Irrtümer eingeschlossen.

Natürlich sahen sie uns. Eine Frau, die mit einem verflucht großen Vogel auf der Faust und einem elenden Ausdruck im Gesicht durch einen Park schleicht, muss auffallen. S.153

Ein großes Abenteuer ist dieses Buch immer dann, wenn es Überraschungen und Analogien für uns ausbreitet. Lässt man sich drauf ein, kommt man vom Hölzchen auf das berüchtigte Stöckchen. Ganz nach Situation und Empathiefähigkeit des Lesers. Auch das scheint so..

(Es) ..kommt ein Radfahrer rutschend neben uns zum Stehen und erkundigt sich höflich, ob er einen Blick auf den Vogel werfen darf. Er ist geradezu lächerlich hübsch. S.154

Was soll das jetzt? Was ist mit dem Habicht? Was mit dem Vater, der Familie? Und was ist mit den alten Schriften über die Falknerei?

Ich – für meinen Teil – werde jetzt weiterlesen.

Helen Macdonald: H – wie Habicht. Roman. Ungekürzte Ausgabe im Taschenbuch. 1. Auflage 2016. Aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer. Ullstein-Verlag 2015. ISBN 978 3 548 37672 1

* das ist der Habicht, Mabel. (Der Verfasser des Artikels.)

Advertisements

From → Liebe, Sprache

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: