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Steckt

27. Dezember 2016

Wachsen heißt warten. Schöne Bescherung.

Ein Tag vor Weihnachten traf ich auf eine rot eingefärbte Dame. Ich kannte sie von früher, flüchtig. Darum wunderte ich mich nicht, dass sie mich duzte als sie mich ansprach. Sie lächelte dabei, etwas versonnen – fast möchte ich sagen: wissend. So sprach sie: „Und morgen wirst du also reich beschenkt sein.“

Ich antwortete sowohl wahrheitsgemäß, als auch knapp mit: „Ja.“ Ich war einfach nur froh. Genau. So erwartete ich es ja. Dann wollte ich ihr doch noch erklären, was mich da so sicher machte, kam aber nicht dazu. Denn plötzlich war sie dann auch wieder weg, genauso wie sie aufgetaucht war.

Zu einer bestimmten Zeit im Leben erwarten wir, dass die Welt ständig voll von Neuem ist. Dann kommt der Tag, an dem uns bewusst wird, dass das nicht der Fall sein wird. Wir erkennen, dass sich das Leben aus Löchern zusammensetzt. Aus Dingen die Fehlen. Aus Verlusten. Dinge, die einmal da waren und nun nicht mehr da sind. *

So etwas Kindern zu vermitteln wird schnell brutal. Es hat so einen Beigeschmack. Also schieben wir es möglichst heraus. Wir werden das Kind schon schaukeln denken sich viele. Es geht ja auch häufig gut, warum also ein Kind unnötig irritieren. Der richtige Zeitpunkt wird gern verpasst und dann scheint es ein Leichtes zu sein, die Sache zu verdrängen.

Und wir erkennen, dass wir um diese Lücken herum und zwischen sie hineinwachsen müssen, obwohl wir die Hand ausstrecken und dort, wo die Dinge waren, den öden Raum fühlen können, wo jetzt die Erinnerungen sind.*

Manchmal läuft es nicht rund. Alle sind dann schnell überfordert. Dann ist die Not groß. Die – bei aller Liebe – so nicht einkalkuliert war.
Mit Steckt wird ein Versuch gemacht, den Kindern ein erstes Rüstzeug zu geben um zu Wachsen,

Floyds roter Drache STECKT in einer Baumkrone fest. Um ihn wieder runterzukriegen, wirft Floyd alles Mögliche und Unmögliche hinauf. Doch alles bleibt in der Baumkrone STECKEN. **

…und das in Form einer Gute-Nacht-Geschichte. Damit die Eltern auch was davon haben ist es auch noch zum Vorlesen gedacht.

Ein lustiges Bilderbuch mit einem überraschenden Ende! **

Ein sorgsam und liebevoll gemachtes Bilderbuch 🙂 Vor allem aber macht es Spaß. Wunderbar.

Oliver Jeffers: Steckt. Übersetzt von Anna Schaub. NordSüd Verlag AG, Zürich 2015.
ISBN 978 3 314 10280 6

* Helen Macdonald: H – wie Habicht. Ebendort S.235
** NordSüd Verlag, Steckt. Umschlagtext, hinten.

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From → Liebe, Sprache

6 Kommentare
  1. Ich will diese erste Erkenntnis noch nicht leben.

    Gefällt mir

  2. mickzwo permalink

    Hat dies auf Fett/Anthrazit Blog rebloggt und kommentierte:

    Eine Gute-Nacht-Geschichte. Für den willi von seiner Tochter.

    Gefällt mir

Trackbacks & Pingbacks

  1. Hey, was geht ab Alta | Fett/Anthrazit Blog
  2. [Alles mit links] Steckt – #Literatur

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