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Warten [zu Nachtzug nach Lissabon 3]

1. März 2017

(…)wer Schmerzen hat oder Angst, kann nicht warten(…) *
Manche müssen sich dann beeilen oder hüpfen. Das sieht dann schonmal komisch aus, ist aber in der Regel bitterer Ernst.

Gregorius ruft unter dem Vorwand seine Bücher zu vermissen in Bern eine Schülerin an:

Nein sagte er, er sei nicht krank. „Ein bißchen verrückt, aber nicht krank.“ Sie lachte, wie er sie noch nie hatte lachen hören, ganz ohne den Klang des höfischen Fräuleins. Es war ein ansteckendes Lachen und er lachte mit, überrascht von der unerhörten, nie gekannten Leichtigkeit seines Lachens. Eine Weile lachten sie im Gleichklang, er verstärkte sie und sie ihn, sie lachten immer weiter, längst war der Anlaß nicht mehr wichtig, sondern nur noch das Lachen, es war wie Zugfahren, wie das Gefühl, das klopfende Geräusch auf den Schienen, ein Geräusch voll von Geborgenheit und Zukunft, möge nie mehr aufhören. (S.234)

Das scheinbar unauslotbare auszuloten, darum geht es hier.

[Im Wiki wiktionary.org finde ich unter dem Stichwort warten u.a. folgendes vermerkt:

Es kann bedeuten, [1] intransitiv: Zeit verstreichen lassen beziehungsweise untätig sein, bis ein bestimmter Zustand eintrifft oder [2] transitiv: technische Apparate pflegen und eventuell regelmäßig reparieren.

Jedenfalls, Synonyme dafür sind:
[1] ausharren, harren
[2] in Schuss halten

mit den Unterbegriffen
[1] abwarten, zuwarten

Z.B.:
[1] Er wartete lange.
[1] Seit Stunden warten die Kunden auf die Lieferung.
[2] Die Techniker warten den großen Bootsmotor.

Redewendungen:
Da kann man warten bis man schwarz wird
, o.Ä.

Charakteristische Wortkombinationen:
[1] mit Adverbialbestimmung: angstvoll, geduldig, gelassen, lange, vergeblich warten
[1] in Präpositionalphrase: auf Antwort, eine Chance, eine günstige Gelegenheit warten

Interessante Worte können sein:
[1] aufwarten, erwarten, Wartehalle, Warteraum, Wartesaal, Warteschlange, Warteschleife
[2] Warte, Wärter, Wartung
**]

Seine innere Schwerkraft, die ihn zu dem machte, der er war, hatte kein anderes Handeln zugelassen. Doch ein Zweifel war geblieben, weil der Verdacht der moralischen Selbstgefälligkeit nicht auszuräumen war, ein Verdacht, der schwer wog für einen Mann, der Eitelkeit hasste wie die Pest. (S.231)

Nach diesem zweiten Teil des Romans frage ich mich, wer begegnet wem hier? Trifft Gregorius auf Amadeu de Prada, seiner Familie, seinen Helfern, Freunden, seinen Bewunderern und Feinden, trifft man auf den Arzt Prada mit seinem Zweifel, seiner Tragödie, oder trifft man Gregorius selbst mit seiner Vergangenheit in der Schweiz?

In jeder guten Bibliothek. Ein Roman, der – mit seinen Schachzügen, den Bezügen, die sich herstellen lassen – einfach nur grandios zu nennen ist.

Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon. Roman 2004, Hanser-Verlag.
Hier: Die Begegnung. ISBN 3 446 20555 1

* Amadeu de Prada, ebendort (S.212)
** alle hier angeführten Beispiele bei de.wiktionary.org/wiki/warten gefunden.

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From → Liebe, Sprache

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