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Raumpatrouille

15. März 2017

Mein neuer Pullover war aus dem Stoff, aus dem die Träume sind.(S.69)

Aus der Vogelperspektive wird die Geschichte eines Kindes erzählt, das seinen berühmten Vater vermisst. Das Kind, das die Umwelt erst als großen Spielplatz ansieht, aber sensibel genug ist, die vermeintlichen Privilegien als Grenzen seiner Bewegungsfreiheit zu sehen. Grenzen, die es zwar nicht versteht, die aber da sind und ihn von Wesentlichem abschneiden.

Vor den Schulkameraden werden diese Grenzen von ihm stets streng geheim gehalten und von den Verbündeten werden sie kaum so gesehen. Der arme Kerl richtet sich in der Welt ein, die er interpretiert, so gut, wie er es eben kann. Er wird von Erwachsenen sicherlich oft belächelt.

Alles in allem: Ich war für Ballspiele vollkommen ungeeignet.
Meiner Liebe tat das keinen Abbruch. Ratlos stand ich erstmals vor der Frage aller Fragen: Wieso werde ich, wenn ich mein Herz verschenke, nicht zurückgeliebt? Wie ist das möglich? Es war besser, ahnte ich, diese Frage nicht zu gründlich zu stellen und schnell etwas anderes zu denken.
Mein nächster Gedanke war folgender: Wenn ich schon nicht so leben konnte, wie ich fühlte, warum konnte ich dann nicht einfach so tun, als ob? Wäre das dann, wenn ich nur überzeugend genug wäre und fest an die Täuschung glaubte, nicht dasselbe wie die tatsächliche Erfüllung meiner Sehnsucht? Konnte ich das ersehnte Leben nicht einfach spielen? So, dass es für niemanden, ausser für mich, von der Realität zu unterscheiden wäre?
Ich brauchte eine Verkleidung, die passende Hülle war das erste. (S.66)

Oft werden hier Gedanken mit der gesetzten Überlegenheit eines Erwachsenen formuliert. Das täuscht. Der es sagt, ist zwar so alt aber im Grunde trauert er noch wie ein Kind.

Anfangs war ich ob des Titels etwas irritiert. Doch der Titel ist gut gewählt. Matthias Brandt nimmt uns mit, auf eine Reise zurück in seine Kindheit als Sohn eines berühmten Vaters. Das ist der Flottenkommandant.

Viel wichtiger ist die Chefin, die für die Sicherheit an Bord des Raumkreutzers Orion verantwortlich zeichnet (in der Fernsehserie ‚Tamara Jagelovsk‘ vom Galaktischen Sicherheitsdienst); die den Commander Mac Lane und seine (ihn verehrende) Crew auf der Mission mit dem Raumkreutzer begleitet.

Alles, was ich erzähle, ist erfunden.
Einiges davon habe ich erlebt.
Manches von dem was ich erlebt habe,
hat stattgefunden. *

Bravo!

Der Ich-Erzähler des Romans ist am Ende kein anderer als der geniale Commander Mac Lane. Ein Junge auf der Suche nach seiner Kindheit.

Matthias Brandt: Raumpatrouille. Geschichten. Roman, 2016. Kiepenheuer&Witsch, Köln.
ISBN: 978 3 462 04567 3

* Ebendort, dem Roman vorangestellt. Dieses Gedicht dient als Vorwort. Das Nachwort klärt wie der Roman zustande gekommen ist.

Ps.: Es gibt ein Kinderbuch von Helme Heine mit dem Titel: Tante Nudel, Onkel Ruhe und Herr Schlau. (1979) ISBN 3-7876-9920-1. Das ging mir beim Lesen des Romans zunehmend durch den Kopf.
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Siehe dazu auch den Artikel von pgeofrey zum Thema Gefühle im Blog literaturfrey.

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From → Liebe

9 Kommentare
  1. Genial, ich habe mir gerade ein Star-Trek T-Shirt gekauft. Die Uniform von Spock – meiner ersten großen Liebe…

    Gefällt 1 Person

    • mickzwo permalink

      Dass ich in Mr. Spock verliebt war, das wird man mir wohl nicht nachsagen können. Immerhin hat er mir viel zu überlegen gegeben. Captain Kirk, Scotty und Konsorten fielen dagegen eher ab. Du hast also aus meiner Sicht eine gute Wahl getroffen. Commander Mac Lane hätte ich allerdings damals noch besser gefunden.

      Gefällt 1 Person

  2. Die Verflechtung mit der in den Sechzigern von den Erwachsenen bewunderten Fernsehserie als Mittel gefällt mir sehr, da ich sie ebenfalls als Teile meiner eigene Kindheit berührend erinnere: einerseits als Distanz, denn ich war noch zu klein, um die Sendungen ansehen zu dürfen, aber alt genug, um in der „Hörzu“ dem nachzulesen, was meine Eltern daran so zu begeistern schien, um so eine Nähe zu ihren Interessen zu erlangen, von der sie sich anscheinend gar nicht vorzustellen vermochten, dass sich ein Kind ausgegrenzt fühlen könnte. Für in dieser Ära Aufgewachsene ist dies ein berührendes Bindeglied.

    Gefällt 1 Person

    • mickzwo permalink

      Eltern können sich – nach wie vor – viel zu wenig vorstellen, was in den Kindern so alles vorgeht. Umgekehrt ist das natürlich auch so. Aber die Kinder haben keine andere Wahl. Die Kinder müssen unter allen Umständen, die Erwachsenen könnten, wenn sie könnten.

      Gefällt 2 Personen

  3. Danke für den Tipp. Ich mag den Brandt als Schauspieler zwar nicht so, aber auf das Buch hast du mich neugierig gemacht.

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Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Raumpatrouille – #Literatur

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