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Der schwarz gekleidete Mann

5. April 2017

Der schwarze Mann da vorne, was wollte der?

Ich konnte das alles nicht verstehen. Jeden Sonntag sollte ich mir so etwas reinziehen. Ich hatte niemanden, mit dem ich darüber reden wollte. Alle fanden das normal und gingen anscheinend zur Tagesordnung über. Die Konfirmation kam schließlich auf alle in diesem Alter zu.

Gewiss, manchmal war es auch schön. Das dicke Buch war voll von Geschichten. Manche waren sogar lustig. Meistens aber hatten sie ein trauriges Ende, zumindest für mich. Und so verklausuliert. Also.

Was wollte der Mann mit dem schwarzen Anzug von mir?

Wie dieser Sohn von seinem Vater verlassen wurde, das war das allerletzte. Empörend. Und noch so ein paar Geschichten.

[Exkurs: Siehe dazu auch Zwieback und Martin Luther & Thomas Münzer]

Aber zurück zum Prolog des Romans:
Als Student der Jurisprudenz und Philosoph hatte Martin Luther eine glänzende Zukunft vor sich, wovon auch die Familie sich einiges versprach. Doch das Gewittererlebnis sollte alles in Frage stellen.

Möglich ist aber auch, das es in den Bereich der Legende abgleitet. (Es erinnert doch sehr an die Geschichte, wie Saulus zu Paulus wird.) Auf jeden Fall wird es zum Schlüssel aller seiner folgenden Taten stilisiert:

„Hilf, heilige Anna“, schluchzte Martin mit erstickter Stimme. „Ich … will ein Mönch werden!“ (…) Die Welt hörte seinen Ruf, doch sie atmete weiter, als ob nichts geschehen wäre. *

Der war so überzeugt davon, das einer ihm ans Leben wollte. Unter Gott tat er es nicht. (Nicht in dieser Zeit.) Der konnte gar nicht anders. (Heute würde man dafür sorgen, dass so jemand keinen weiteren Schaden anrichtet.) Zu seiner Zeit hat man so etwas als Gottesurteil angesehen. Vielfach mit Murren zwar aber es wurde von der Umwelt irgendwie geduldet.

Das klingt jetzt sehr negativ. Ich weiß, ist es aber gar nicht. All das in-Frage-stellen, das Protestantische, haben wir ja ihm und seiner Zeit zu verdanken. Er wollte musste ein ordentlicher Christ sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Der schwarze Mann, was wollte er? Ich habe es auch heute nicht verstanden. Für mich ist das Ganze gesellschaftlich bedingt und nicht als Stütze geeignet. Da halte ich es doch schon eher mit den späteren Aufklärern. So ähnlich jedenfalls.

Wie war das nochmal?

Guido Dieckmann: Luther. Roman, atb, 2017. Erstmals erschienen ebendort 2003. ISBN 978 3 7466 3299 5
* Ebenda S.9

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From → Sprache

One Comment
  1. Auch die Verlinkung gefällt mir.

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