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Danke

27. April 2017

Mehr Licht! Das sollen die letzten Worte J.W.Goethes gewesen sein. Ob er das in der Hochsprache gesagt hat oder in der hessischen Mundart, man weiß es nicht. (Manche behaupten ja, es sei in Mundart formuliert worden: Mer liecht.., oder so.) Ich glaube, er hat dazu gelächelt. Ich bin sicher: er hat gelächelt.
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Die große Welt
8. März 2013

“Und sie alle fanden einen Moment, der es wert war, erzählt zu werden.” *

Oft kaufe ich Bücher, weil ich den Titel mag. Manchmal lese ich die erste Seite an, und wenn ich dann nicht wieder aufhören will, ist das klar. Hier hat es mir das Cover angetan. Irgendwie kam mir der Mann mit dem Balancierstab bekannt vor. Diese Geschichte habe ich eher so by-the-way gekauft. Bauchgeschichten.

Erstmal war das dann doch ziemlich sperrig zu lesen und fast hätte ich es beiseite gelegt. Die große Welt versprach das bunte Treiben in New York, und begann doch in Irland und das auch noch spießig. Weiter ging das auf dem billigsten Straßenstrich in der Bronx, elendig, dreckig und auch noch langatmig. Vom Drahtseilakrobaten keine Spur und dick war das Buch auch noch.

Schon komisch: Jeder hockt in seiner kleinen Welt und hat das tiefe Bedürfnis zu sprechen, jeder trägt an seiner eigenen Geschichte, die er an irgendeinem Punkt beginnen lässt und dann unbedingt zu Ende erzählen muss, damit sie einen logischen, abschließenden Sinn ergibt. (S.452) Uns macht es irre, wenn wir nicht wissen, wo die Reise hin gehen soll. Selten hat mich ein Buch so irritiert! Der schreibt ein Buch über die Grosse Welt und erzählt sie von der Kleinen aus.

Und das fängt natürlich auch ganz unten an. Der Drahtseilakt passiert – kaum erkennbar – weit oben; man erfährt davon erst Mal nur durchs Hören-sagen. In jedem Fall holt man sich einen steifen Nacken, wenn man was mitkriegen will. Und man will. Schließlich muss doch was passieren. Aber es passiert im Grunde nicht viel. Wir lernen Menschen und deren Situationen aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln kennen. Und das ist trivial.

Irgendwie nimmt das Triviale mehr und mehr Besitz vom Leser und schließlich will man wissen, wie die Geschichte weitergeht … Man denkt über vieles nach, was auf den ersten Blick nichts mit Drahtseilakten, Straßenstrichen oder Wohngegenden New Yorks zu tun hat. Große Kunst. Gut, dass ich so hartnäckig war!

Nachsatz: Reisen bildet, sagt man. Auf Reisen trifft man immer zuerst auf sein eigenes Ego, gleichgültig wo man landet. Das sagt man auch. Die große und die kleine Welt, beide geschehen in einem Kopf. Besser in vielen. Das gilt für New York und die Copacabana, genau so wie für Dortmund-Hoerde oder Bielefeld. Mal trifft man wen, selten ist man froh allein zu sein.

Colum McCann: Die große Welt. rororo 2011. ISBN 978 3 499 24827 4 (Im Buchhandel und in ordentlichen Bibliotheken.)

mick (2011/2013)

* Gefunden in dem wunderbaren Blog FindeSatz.

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From → Liebe, Sprache

6 Kommentare
  1. Dieses Buch kenne ich nicht von ihm; ich habe seinerzeit „Der Himmel unter der Stadt“ gelesen, eine oft verstörende Lektüre über die Geschichte dreier Generationen, die Amerika bauten, ohne es zu bewohnen, eine Geschichte aus dem Untergrund. Auch hier trifft der Satz mit der kleinen Welt voll zu, erst das Erzählen bringt Erlösung. Sein Buch über Nurejew, „Der Tänzer“ , in dem er ihn in Romanform in eine fiktive Gestalt verwandelt, bot ganz anderen Lesestoff, nicht unbedingt besseren.
    Liebe Grüße ins verlängerte Wochenende, aber das habe ich ja eigentlich von Montag bis Sonntag immer, bin ja schon lange aus aus der (Arbeits-)Zeit gefallen -:))), Karin

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    • mickzwo permalink

      Dass es verstörend ist, das kenne ich. Wir erwarten ja oft was anderes. Hätte ich bei diesem Buch genauer hingesehen, ich hätte es wohl nicht mitgenommen und am Ende einiges verpasst. So hatte meine Eile endlich mal was Gutes 🙂 Die anderen Titel von ihm habe ich noch nicht gelesen.
      Viele Grüße, mick.

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  2. Der Satz: „Jeder hockt in seiner kleinen Welt…..“ hat es in sich.

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