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Traumstunde für den Siebenschäfer

1. Mai 2017

„Sachma, hasdusienochalle?“

„Wie bitte?“ Für mich sah ernst etwas belustigt aus.

„Nee, wirklich. Du has sie wirklich nich mehr alle“, wurde willi wütend. Doch er schien abzuprallen. „Typisch“, dachte er wohl.

„Du meinst, ob ich sie nicht alle beisammen hätte?“ So sagte es ernst mit leicht herablassendem Unterton zu willi, und frug: „In welchem Zusammenhang war nochmal die Frage?“ Dabei lächelte ernst gewinnend – wie er meinte.

„Na dat, wat du dem J.W.G. ernsthaft unterstellst, er würde in Hochsprache reden. Auffem Sterbebett. Und son zeuch. Watn Quatsch!“

(Ich wollte noch sagen, das der ernst immerhin den J.W. hat lächeln lassen. Kam aber nicht dazwischen.)

„Warst du etwa dabei?“ echauffierte sich ernst jetzt. Es kam wie aus der Pistole geschossen. Entweder er hatte die Lage nicht begriffen, oder er legte es darauf an.

(Ich versuchte nochmals zu vermitteln, aber auch das gelang mir wieder nicht.)

„Papplerlapapp“, sagte willi wie aufs Stichwort. „Sowat macht man einfach nich. Sonn Altenmann hochnehmen. Auch wenn dat schon lange her is, sowat gehört sich nich.“

„Das war doch nur als Beispiel gedacht“, versuchte ernst die Situation noch zu retten. Aber willi war da schon gegangen und ernst machte sich auch davon. (Nicht ganz Zufrieden, wie mir schien.)

Und ich? Musste dringend nachdenken. Über Zukünftiges. Das Unbekannte und Chancen. Beziehungsweise, wie man mit all dem umgeht.

Zukünftiges kann man ja nur vermuten. Darin sind manche ja besonders gut. Andere weniger. Wissen sieht anders aus, auch wenn es uns oft so verkauft wird.

Das Unbekannte kenne ich nicht. Das Wesen des Unbekannten ist ja, dass es nicht bekannt ist. Klingt logisch. Andernfalls wäre es doch bekannt, oder?

Verpasste Chancen liegen mehrheitlich in der Vergangenheit. Erwartete Chancen sind in aller Regel in der Zukunft zu suchen. Beides sollte uns nicht wirklich jucken. Tut es aber in den meisten Fällen.

Besonders die verpassten Chancen liegen dann schwer in der Magengegend. Wäre es da nicht besser, wenn wir uns auf das jetzt Machbare konzentrierten?

Ich blieb übrig. In Gedanken.

„Aus. Ende. Schluß.“ Und an anderer Stelle: „Feierabend.“ *

Diese Worte habe ich mal bei Janosch gelesen. Es war in der Traumstunde für Siebenschläfer. Sie beschreiben den Zustand ganz gut. (Einen Clip dazu habe ich hier gefunden.)

Das Buch lese ich wieder vor, jetzt den Enkeln:
Janosch: Traumstunde für Siebenschläfer. Beltz Verlag, Weinheim und Basel 1977. Hier: 4. Auflage 1980. ISBN 3 407 80527 6

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From → Liebe

4 Kommentare
  1. Naja, aber diplomatischer war’s schon, letzte Worte in der Hochsprache zu äußern, sowohl für hüben als auch für drüben.

    (Janosch wird sich irgendwann auch mal entscheiden müssen.)

    Gefällt 1 Person

    • mickzwo permalink

      Ich denke der Janosch hat sich schon längst entschieden. Eine meiner Lieblingsgeschichten kommt in dem Buch Janosch erzählt Grimm’s Märchen vor. Dieses Buch habe ich als Erwachsener eher für mich gelesen. Ich mag es sehr. Aber es ist, glaube ich, nichts für Kinder. (Mein Bild von solchen Büchern ist mit der Zeit etwas differenzierter geworden.) Nicht alles, was so ein Lektor sich denkt, ist auch meine Wahrheit. Ich muß öfter mal überlegen was ich für richtig halte 🙂

      Gefällt 1 Person

      • Was die Kinderliteratur angeht, trifft das meiner Ansicht nach häufig zu. Alice im Wunderland z.B. habe ich erst als Erwachsene und im englischen Original schätzen gelernt.

        Gefällt 1 Person

  2. mickzwo permalink

    Hat dies auf Fett/Anthrazit Blog rebloggt und kommentierte:

    Eine Auseinandersetzung, eine Posse, eine Schnurre die sich an einem Artikel wohl entzündetet.

    Gefällt 1 Person

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