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Die Frau und der Affe

25. Mai 2017

Jeden Morgen erstand Madelene wieder auf. S.29

Sie ist ein sogenanntes Wohlstandsweibchen, lebt in London im zwanzigsten Jahrhundert. Und sie scheint sich damit abgefunden zu haben.

Das Gesicht, das ihr begegnete, wenn sie sich an den Toilettentisch setzte, war nach ihrem eigenen Urteil ein trauriges Gesicht. Kein welkes oder im Verfall begriffenes Gesicht, denn Madelene war erst dreißig Jahre alt. Aber es war -fand sie – ein blasses und anonymes Gesicht, das aussah, als könne es im nächsten Moment verschwunden sein, nicht etwa in flammender Zerstörung, sondern schlicht, weil es in seiner grauen Alltäglichkeit mit der Umgebung hätte verschmelzen können. S.29

Sie ist noch jung, und versucht ihren Niedergang allenfalls etwas aufzuhalten.

Wer seine Tage gleichförmig und ohne Verlangen verbringt, lebt in einer Art Ewigkeit, und genau so sah Madelene ihr Leben. Als hätte sie die Ewigkeit gewollt, gesucht und gefunden. S.33

Dann lernt sie den Affen kennen. Damit sollte sich alles ändern.

Begegnet war mir diese Geschichte in einem modernen Antiquariat. Ein Buch des Autors von Fräulein Smillas Gespür für Schnee. Auf der Suche nach Vielversprechendem las ich da im Klappentext des Schutzumschlages folgendes:

„Ein Affe nimmt Kurs auf London. Er sitzt im Segelboot eines Tierhändlers, doch kurz vor der Ankunft im königlichen Yacht-Club stößt er die Mannschaft über Bord, übernimmt selbst das Ruder und rast in krachender Fahrt mitten durch die Mahagoni- und Palisanderschiffe. Erasmus, so der Name des hundertfünfzig Kilo schweren Helden, wird aufgegriffen und Adam Burdon übergeben, dem Direktor des Institute of Animal Behavioural Research. Dieser bringt ihn heimlich in seinem privaten Gartenhaus unter, um sich drei Wochen Vorsprung bei den Experimenten an einer neuen Art des Menschenaffen zu sichern. Hier begegnet Adams schöne dänische Frau zum erstenmal dem Affen, der ihr tief in die Augen schaut und ihr als Geschenk – einen Pfirsich reicht. Madelene, nach ein paar Monaten Ehe schon ganz den Alkohol verfallen, nutzt die schwachen Momente ihres Mannes, um seinen Berufsgeheimnissen auf die Spur zu kommen. Als sie herausfindet, daß Adam im Begriff ist, dem Affen den Schädel aufzusägen, beschließt sie, Erasmus zu retten. Damit beginnt die abenteuerliche Flucht der beiden und eine aufsehenerregende Liebesgeschichte. Denn für Madelene ist der Affe der bessere Liebhaber, und er läuft ihrem karrierebesessenen Mann nicht nur in erotischer Hinsicht den Rang ab. Erasmus ist nicht einfach ein Affe, er ist in der Evolution bereits einen Schritt über den Menschen hinaus. Mit seinem Erscheinen wird – im Zeitalter von Massenschlachtungen und geklonten Schafen – die Überlegenheit des Menschen über das Tier radikal in Frage gestellt.
Peter Høegs philosophischer Thriller zieht den Leser mit rasantem Erzähltempo in den Bann. Seine großartige Heldin, die manche Ähnlichkeit mit Fräullein Smilla hat, und das brisante Thema bewegen Herz und Kopf.“ Aus dem Klappentext im Schutzumschlag.

Mir klar, was ich als nächstes Lesen würde. Ich habe es nicht bereut 🙂

In dem Augenblick, in dem wir begreifen, daß wir etwas verloren haben, in dem das Verlangen blutet und das Bewußtsein noch nicht geronnen ist, steht die Bedeutung des Verlorenen am deutlichsten vor uns. S.69

Auf den ersten Blick wirkt es abwegig aber es scheint sich alles noch im Bereich der Norm zu bewegen. Auf den zweiten Blick ist es anders. Vollkommen. Peter Høeg ist ein Meister des zweiten Blicks.

Peter Høeg: Die Frau und der Affe. Roman. Aus dem Dänischen von Monika Wesemann. 1997, Carl Hanser Verlag, München Wien. Schutzumschlag: Init, Bielefeld.

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From → Liebe, Sprache

7 Kommentare
  1. Guter Tipp. Was Affen und Frauen betrifft bin ich noch bei King Kong. Vielleicht hat sich da ja was weiter entwickelt. 😉

    Gefällt 1 Person

    • mickzwo permalink

      Ich denke, das hängt sehr mit der Legende um King Kong zusammen, weiß es aber nicht so genau. Mit King Kong habe ich mich – ehrlich gesagt – nie sonderlich auseinandersetzt 😉

      Gefällt 1 Person

  2. „Peter Høeg ist ein Meister des zweiten Blicks.“ Ich kenne dieses spezielle Buch nicht, aber der Satz trifft auf alle Bücher von ihm zu, die ich gelesen habe. Danke dafür!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

  3. Hab ich mir sofort bei booklooker bestellt

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Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Die Frau und der Affe – #Literatur

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