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Die Frau und der Affe -2-

26. Mai 2017

„Was geschieht dann aber mit uns?“. S.207

London ist eine besorgte Stadt. Seine Börse seine Banken sind das finanzielle Herz der Welt, seine Massenmedien die Augen und Ohren der englischsprachigen Welt, seine Bibliotheken, Museen und Archive wachen ängstlich über das umfassendste historische Gedächtnis von Europa, die Stadt ist Sitz der Regierung, beherbergt Ober- und Unterhaus und damit weltweit das größte Depot an adeligem Genmaterial. Mit der Universität London und deren neuralen Verbindungen zu Oxford und Cambridge trägt sie zudem die Verantwortung für die größte Ansammlung zivilisatorischer Intelligenz im vom Menschen bewohnten Teil der Erde, für das größte Gehirn der Welt. Die Stadt ist deshalb ein Hypochonder, sie sorgt sich bis zum Wahnsinn um ihre Gesundheit, und darum hat sie eines der größten Immunsysteme der Erde. Nur wenige Minuten nachdem Madelene und der Affe verschwunden waren, aktivierte sich dieser monströse und zugleich furchtsame Überwachungsapparat. S.169

Sie reagiert, unerbittlich und sofort. Aber sie re-agiert. So kommt es – wie in guten Märchen oder Krimis üblich – beim Showdown sind alle wichtigen Figuren beteiligt.

Gerade als Erasmus dabei war, die Taue aufzurollen, als Bally steif wie ein Automat den Gang des Bootsmotors einlegte und vom Kai ablegte, als sich die elf anderen Affen verteilten, um die Schlagseite der Arche auszugleichen, da winkte Madelene London und Johnny noch einmal zu. Und gerade, als sie beide Arme in die Luft reckte, verspürte sie eine Bewegung, welche Frauen, die zum erstenmal schwanger sind nicht identifizieren können, jedenfalls nicht so früh während der Schwangerschaft, von der sie aber sofort ganz sicher und zweifelsfrei wußte, daß es die Bewegung des Kindes war, ihres gemeinsamen Kindes mit Ersasmus, das noch wie ein Fisch im Ozean des Fruchtwassers herumtollte.
  Erasmus kam zum Vordeck, Madelene ergriff seine Hand und sah zum Himmel hoch.
  „Die letzten Teile“, sagte sie, „das ist nicht nur blauer Himmel. Das ist ein Engel.“
  „Was ist das, ein Engel?“ fragte der Affe.
  Madelene schüttelte den Kopf.
  „Das habe ich nie ganz begriffen“, antwortete sie. „Aber vielleicht ein Drittel Gott, ein Drittel Tier und ein Drittel Mensch“. S.287f

Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. (trad.)

Und, was wird aus uns?

Peter Høeg: Die Frau und der Affe. Roman. Aus dem Dänischen von Monika Wesemann. 1997, Carl Hanser Verlag, München Wien. Schutzumschlag: Init, Bielefeld.

So many words are left unspoken. Mick Hucknall, Simply Red

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From → Liebe, Sprache

5 Kommentare
  1. Peter Hoeg mag ich, doch dies klingt für mich etwas zu … weiß nicht genau …

    Gefällt 1 Person

    • mickzwo permalink

      Liebe La Imperial Feng!

      Die Frau und der Affe -2- kommetiert den Showdown zu dem Buch ‚Die Frau und der Affe‘ (Der Text des Artikels bezieht sich auf Teil 3 und 4 des Buches). Lange habe ich überlegt, ob ich das veröffentlichen soll. Es schien mir nicht ganz rund zu sein. Immer hatte ich noch etwas zu streichen, einzufügen oder zu verbessern. (Darum hatte ich auch die Frage mit aufgenommen.) Ich habe mich letztlich für die Veröffentlichung entschieden, weil ich eine Diskussion wollte. Nun ja.
      Es geht um die Liebesfähigkeit, um die Empathiebereitschaft usf. der Menschen und ihr Verhältnis zur Schöpfung. Das Buch ist vor etwa 20 Jahren auf den deutschsprachigen Markt gekommen und mir erst jetzt begegnet. So dachte ich es sei alt genug und das Thema ist immer noch virulent. Dass in der Zwischenzeit so ein viehischer Anschlag passiert ist, das habe ich nicht wahrgenommen. Von jeher habe ich mich bewusst aus der Tagespolitik herausgehalten. Mein öffentliches Thema ist eben nicht die Tagespolitik, sondern die Liebesfähigkeit des Menschen und seine Fähigkeit zur Empathie.
      Aber zurück zu meinen Fragen.

      Also: Stört Dich das Thema oder die Beispiele? Ist es der Zeitpunkt oder sind es die Orte an denen sich das Ganze abspielt? Was ist Dir zu..?

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      • mickzwo permalink

        lieber mick

        ich habe drüber nachgedacht – ich glaube was mich am meisten stört ist die (nach meinem Empfinden) „kalte“ Sprache. Ich spüre da wenig Empathie. Das mag daran liegen, dass ich das ganze Buch nicht gelesen habe sondern nur die Ausschnitte.

        Das die Frau mit dem Affen eine Liebesbeziehung lebt und daraus ein Kind entsteht mag moralisch verurteilen wer will. Das ist es nicht, warum ich innerlichen Abstand empfinde und fasst man es „philosophisch-spirituell“ weit genug – wer kann dann schon etwas ausschließen? Und schließlich ist in der „Reise nach Westen“ der Affe Wukong ein grandioser Herausforderer und respektloser Rebell, den die Autorität der „alten Götter“ null einschüchtert und der erst dadurch „echtes Leben“ in den verstaubten Haufen bringt. Der erwähnte Pfirsich könnte sogar ein Rückgriff auf diese Legende sein und aus dem Garten eines der Unsterblichen stammen.

        Vielleicht ist es auch nur so, dass durch diesen technisch-analytischen Erzählstil – ähnlich der Homöopathie – gleiches mit gleichem geheilt werden und der Blick also genau darauf gelenkt werden soll? Könnte sein, ich besorge mir das Buch nun und und werfe einen zweiten Blick hinein 🙂
        p.s. was mir später noch zu Deinen Worten eingefallen ist, mich:

        menschliches Verhalten als „viehisch“ zu bezeichnen finde ich ehrlich gesagt nicht angemessen. Tiere handeln ohne Berechnung, nicht aus Gier oder Gemeinheit. Sie leben ganz im Jetzt und folgen ihrem Instinkt. Tierisches Verhalten hat unsere Welt nicht aus dem Gleichgewicht gebracht, sondern die Benutzung des Verstandes ausgerichtet auf einseitige Befriedigung. Und da, finde ich, passt Dein Rückgriff auf Empathie und Liebesfähigkeit. Viele Untersuchungen zeigen, dass Tiere dies auf ihre Weise leben, sogar der Wald ist eine riesige soziale Gemeinschaft. Nur wir Menschen, wir kriegen das irgendwie noch nicht so hin.

        Und liest es sich nicht treffender wenn es hieße „ein menschlicher Anschlag“, gemein und hinterhältig, ausgeübt auf Mitmenschen … ?

        In diesem Sinne noch einmal viele Grüße
        Susanne
        Antwort von La Imperial Feng

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        • mickzwo permalink

          Im Duden werden als Synonyme zum Begriff ‚viehisch‘ die Adjektive ‚brutal, grausam, inhuman, kannibalisch, roh, tierisch, unmenschlich‘ genannt. Ich bin kein vegan denkender Mensch. Der Begriff ‚viehisch‘ ist sicherlich überkommen und politisch nicht korrekt.

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  1. [Alles mit links] Die Frau und der Affe -2- – #Literatur

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