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Nullmummer

6. Juni 2017

‚Die Angst zu sterben belebt die Erinnerung.‘ S.21

Mailand, 6. Juni, nachts. Bei den Journalisten Colonna ist eingebrochen worden. Das Dossier mit brisanten Informationen hat man nicht gefunden, und so sieht Colonna jetzt sein eigenes Leben bedroht. Auch er spielt ein Doppelspiel: Für den Commendatore Vimercate soll er eine Zeitung lancieren, die mit schmutzigen Gerüchten über die gute Gesellschaft arbeitet. Zugleich schreibt er als Ghostwriter ein Enthüllungsbuch über den programmierten Skandal. *

‚Die Verlierer haben, wie die Autodidakten, stets ein viel größeres Wissen als die Sieger, wenn du siegen willst, musst du eins und nur dieses eine wissen und darfst keine Zeit damit verlieren, auch noch alles andere zu lernen, das Vergnügen der Gelehrtheit ist den Verlierern vorbehalten. Je mehr Dinge einer weiß, desto mehr sind die Dinge bei ihm nicht zum Besten gelaufen.‘ S.18

‚Braggadocio war verrückt. Aber das Beste sollte noch kommen, und so musste ich warten. Seine Geschichte war vielleicht erfunden, aber sie war packend.
…verrückt hin, verrückt her, ich hatte den angeblichen Autismus von Maia nicht vergessen. Ich sagte mir, ich wolle ihre Psyche besser studieren.‘ S.131

Dass Maia autistisch ist, stammt von Braggadocio. Der Erzähler fängt eine (geheime) Liebschaft mit Maia an.

‚Von nun an verlief mein Leben zweigleisig.‘ S.153

Er verstrickt sich immer mehr. Seine Rettung findet er – unspektakulär – in Maia. Sie hält Auswandern für die einzig noch mögliche Alternative.

„Liebster, suchen wir uns ein Land, in dem es keine Geheimnisse gibt und wo sich alles im hellsten Sonnenlicht abspielt. Zwischen Mittel- und Südamerika gibt es davon eine Menge. (…) Das nötige Spanisch lernst du in ein paar Wochen, und voilà, so haben wir unsere Insel im Meer des Südens gefunden, mein Tusitala.“ S.229f

Doch er gibt sich fatalistisch und geht lieber Zeitung lesend am heimischen Kiosk entlang.

Am Ende sagt der Erzähler eher beiläufig zu sich selbst:

‚Allein schaffe ich nie etwas Neues, aber wenn mir jemand den Ball direkt vor die Füße schießt, gelingt mir manchmal ein Tor. Dass es diesmal geklappt hat, lag daran, dass Maia noch immer naiv ist, während ich dank meines Alters inzwischen weise geworden bin. Und wenn man weiß, dass man ein Verlierer ist, ist der einzige Trost zu denken, dass alle ringsum Besiegte sind, auch die Sieger.‘ S.230

Steht man – je nach dem – etwas ratlos da, sollte man immer bedenken, dass das Buch ja im Grunde ein guter Kriminalroman ist. Jeder kann sich seinen Teil denken.
Was, das bleibt dem Leser vorbehalten.

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Zum Inhalt siehe auch den Artikel in der deutschen Wikipedia

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Umberto Eco: Nullnummmer. Roman. Carl Hanser Verlag, München 2015. ISBN 978 3 446 24939 4

* Aus der Umschlagswerbung

In guten, öffentlichen Bibliotheken und im Handel.

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From → Liebe, Sprache

3 Kommentare
  1. In Mailand fürchte ich mich auch immer. Das hat aber andere Ursachen. 🙂

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Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Nullmummer – #Literatur

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