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Strafe

9. Juli 2017

Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht. *

Es ist gut, dass Sie träumen können, sagte er. Es ist die Fähigkeit, die den Unterschied zwischen Hoffnung und Verzweifelung, zwischen Leben und Tod ausmacht. S.119

Max Schmeling wird von Tibor Schittkowski angeschrieben und unter dem Hinweis, dass dieser Nichts, diese Null dem berühmten Schriftsteller schon zweimal das Leben gerettet hat. Er fordert den berühmten Schriftsteller auf, ihn – Tibor – zu besuchen.

Damit bringt er Schmeling in eine Situation, die dem erfolgsverwöhnten Schriftsteller eher lästig ist. Das Ganze scheint ihm überflüssig zu sein – wie der allseits bekannte und so berüchtigte Kropf.

(…) vieles im Leben ist rätselhaft. Unter anderen dieser Tibor Schittkowski, der die bemerkenswerte Eigenschaft zu besitzen scheint, in bedrohlichen Momenten auf zu tauchen. (…) Das Leben ist ein Mysterium. S.139

Ein wenig neugierig ist der Schriftsteller schon. Auf der anderen Seite kann er Schittkowski so gar nicht leiden. Wenn er sich – mit viel Aufwand erinnert – konnte er es noch nie. Aber: Man muss sich in Geduld üben können, so ist es wirklich. S.147

Das gilt auch für andere. Denn eins ist mal klar: Max Schmeling gehörte nie zu der geduldigen Sorte Mensch. Er gab sich lässig. Das schon. Ich glaube, er war auch reichlich oberflächlich, und immer auf seinen Vorteil bedacht. Schließlich ist der ja nicht blöd.

Ich bin ein Hohlkopf. S.68 Diese Formulierung stammt aus dem Bericht über das Leben des T. Schittkowski, den der Schriftsteller nach seinem widerstrebenden Besuch bei Tibor – unter Insidern auch gerne als Scheißhaufen bezeichnet – ebenso widerstrebend liest. Der Bericht ist von Schittkowski selbst verfasst.

Das alles klingt nicht sehr vertrauenerweckend. Das soll es auch nicht. Der Roman ist in drei Teile untergliedert und ja, die Liebe ist hier ein entscheidendes Moment (wie in fast allen Geschichten).

Alles hat seine Zeit. (Pred. Salomo, AT)

Paula Polanski und Håkan Nesser: Strafe. Roman. Aus dem Schwedischen von P. Berf. Stockholm 2014. btb-Verlag. ISBN 978 3 442 75606 3

* (trad.) oder so ähnlich. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Ich weiß nicht ob Håkan Nesser diesen Roman mit einem Schmunzeln im Gesicht schrieb. Warum auch immer. Mir ist es ehrlich gesagt auch egal. Schließlich ist es Fiktion. Und das ist nach wie vor ein Geschäft.

Nicht egal ist mir, was dieser Roman mir zu bieten hat: Wut, Trauer, Empörung, Neugierde, Ungeduld, aber eben auch wozu so positive Regungen wie die Geduld und die Negation davon, die Ungeduld und die Neugierde, die Empathie und das Träumen gut sind. Um nur einige zu nennen.

In guten, öffentlichen Bibliotheken und im Handel.

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From → Liebe, Sprache

7 Kommentare
  1. Der Gatte hat demnächst Geburtstag. Vielleicht wäre es ein Buch für ihn. Ist es ein Krimi?

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    • mickzwo permalink

      Ja das ist ein Krimi, mir hat er gut gefallen. Ich kenne den Gatten nicht. Wenn es jemand beurteilen kann, dann du.

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  2. Ich bin Fan von Hakan Nesser und freue mich nun bei dir ein Buch von ihm empfohlen zu bekommen, das ich noch nicht kenne!
    danke dafür und herzliche Grüße
    Ulli

    Gefällt 1 Person

    • mickzwo permalink

      Strittig ist bei diesem Titel welche Funktion Paula Polanski einnimmt. Ich habe das Buch in einem Antiquariat gefunden.
      Herzliche Grüße auch an Dich! mick.

      Gefällt 1 Person

Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Strafe – #Literatur

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