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Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen

23. Juli 2017

Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. *

Dieser Spruch, wie könnte es auch anders sein, wird unser aller Geheimrat Goethe zugeschrieben. Über einen längeren Zeitraum habe ich mich an dem Ausspruch gerieben. Wie konnte das sein? Gab es so etwas wie Kollektivschuld? Und überhaupt ‚Väter‘.

Ich hatte doch nur einen, oder?

Der Spruch geht ja noch weiter: Was man nicht nützt, ist eine schwere Last. Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen.

Im Grunde ist es eine Aufforderung zu Aufräumen. Jeder kann sich seine Situation selbst erschaffen. Erst die Analyse, dann die Tat. Wie das bewerkstelligt wird, wäre noch zu klären. Gewalt ist aber niemals eine Option. Es ist so simpel wie es aussieht.

Es war nur ein leiblicher Vater. Und viele geistige. Zu meinen Lebzeiten waren da schon einige Mentoren – ständig finde ich neue (sicher sind da auch Frauen dabei. Die Kinder nicht zu vergessen). Gesuchte und auch zufällige, selbst ernannte und solche die es nicht fassen konnten, bzw. können – oder so. Manche wissen da gar nichts von. Das sind oft die Besten.

Mein leiblicher Vater war für die emotionale Seite zuständig, also willi. Und mein Schwiegervater war für das Rationale zuständig. ernst, wenn man so will. Dazwischen immer dieser mick, der sich mal gegen den oder diesen behaupten musste. Beide braucht er. Und er war ja auch von irgendwas geprägt. Das ist mal klar.

Klar ist auch – jedenfalls für mich – das die Geschichte noch nicht zu Ende ist.

In diesem Zusammenhang fällt mir Erwin Grosche ein: Rabentage.
Und dazu 40 Jahre Heimweh. Filme von und über Erwin Grosche. Der passt ganz gut dazu.

Entweder man mag ihn oder man läßt es bleiben. Ich mag ihn.

* Goethe, J.W. von: Faust. Der Tragödie erster Teil.

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From → Liebe, Sprache

16 Kommentare
  1. Das mit den Mentoren gefällt mir. Dass die besten die sind, die nichts davon wissen. Ich traf neulich eine Studienfreundin wieder, ohne deren geduldige Erkärungen ich nie mein Examen geschafft hätte. „Wieso,“ sagte sie, „du warst doch Teil unserer Gruppe, und da hat jeder was beigetragen und was bekommen.“

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    • mickzwo permalink

      Guten Leuten hast Du Dich im Studium angeschlossen, wie mir scheint. Diese Erlebnisse hast Du für Dich. Das ist mal was. Glückwunsch!

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  2. Ach, von Goethe ist das? Ich kenne es nur von meiner Oma, die den Ausspruch als Motto über ihre Lebenserinnerungen gesetzt hat. Und habe den Ausspruch immer ganz praktisch-realistisch-materiell gesehen: Wer den Hof von seinem Vater geerbt hat, der muss was tun, um ihn wirklich zu besitzen. —- Aber wenn’s vom Goethe ist, dann geht es natürlich um mehr als um Haus und Feld.

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    • mickzwo permalink

      Lange habe ich geglaubt, es gibt eine Redaktion, die nichts anderes tut, als sich Kalenderweisheiten auszudenken. Dass ist natürlich Unsinn, aber erzähl so was mal einem jungen Menschen. Der wird dir was husten! Ich glaube schon dass es ursprünglich um ‚Haus und Feld‘ ging. Die Weisheit dieses Spruches ist ja nicht erst auf Goethes Mist gewachsen. Selbst in der Bibel kommt dieses Motiv vor (so z. Beispiel im Gleichnis vom Weinberg). Das ist nachgewiesener Maßen etwas älter als unser aller Mediengoethe.

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  3. Der Vater ist wichtiger als man denkt:
    Mein jüngerer Bruder wollte so ganz anders sein als er (nicht jähzornig), aber wiederholte dennoch dieses Attribut.
    In den Gesten lebt man auf jeden Fall das weiter, was man gesehen oder genetisch erworben hat, manchmal bis auf die nackte Kopie hin – ohne es zu merken.

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  4. Hihi, der Erwin….so kenn ich den ja gar nicht!

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    • mickzwo permalink

      Worauf bezieht sich das?

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      • Ich sah mir „Rabentage“ an.

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        • mickzwo permalink

          Damit hatte meine Wertschätzung dieses Ausnahmekünstlers irgendwie begonnen.

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          • Hier in Paderborn kennt man sich ja (vom Sehen) und ich musste etwas lachen…einmal über Style86 und dann die Tatsache, dass er treten möchte. So habe ich den Herrn Grosche noch nicht wahrgenommen. Meine Tochter bekam einmal „Kindergebete“ als Buch geschenkt. Jetzt macht der hier ja sehr schnell ausgebuchte „Stadtspaziergänge mit Grosche“. Ich hoffe, ich komme noch in den Genuss. Liebe Grüße aus Paderborn!

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          • mickzwo permalink

            Das war ja auch nur Spaß. Aber mal ernsthaft – und hier komme ich auf den 2. Film zu sprechen –
            Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König/
            Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König/
            Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König/
            (trad., als Canon zu singen)
            Klingt einfach recht einfach, aber im Leben hat das so seine Tücken. Es braucht eine gewisse Vorbereitung. Davon erzählt er, und das großartig.

            Mit den Grüßen? Einfach dito!!!!

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  5. Die „Väter“ waren halt damals dominierend in der empfundenen Generationenfolge, man kann das auch an alten Kirchenbuch-Eintragungen ablesen, wenn man versucht, seinen Vorfahren nachzuspüren. Die Familiennamen der Bräute einfach-bürgerlicher oder noch schlichterer Herkunft erscheinen vor dem ausgehenden 19. Jh. oft gerade noch bei der Eheschließung, bei der Taufe ihrer Kinder schon nicht mehr.
    Wenn sich das „Erbe“ dann auch noch auf geistiges Erbe beziehen sollte, hat man den meisten Frauen ohnehin abgesprochen, darin ein über ein Eigenständiges zu verfügen.

    Die österreichische Bundeshymne, die bis 2011 nur das „Land großer Söhne“ besang, hat die Töchter, trotz aller Holperigkeit im Silbenfluss, inzwischen mit darin aufgenommen, aber das war eben eine der sozialhistorischen Entwicklung angemessene Nachbesserung. keine dichterische Entscheidung.
    Verständlich ist, vom damaligen Sozialgefüge abgesehen, dass „Mütter“ mit dem spitzen Ü ebensowenig leicht über die Lippen fließt, wie „Töchter“; den Söhnen und Vätern gegenüber ist das ein klarer Nachteil.

    Deine Erwähnung verschiedener Mentoren gefällt mir sehr und erinnert mich in Dankbarkeit an verschiedene solcher väterlich-männliche und mütterlich-weibliche Menschen, die länger oder sogar nur vorübergehend wichtigen Eindruck auf mich hinterlassen haben.

    Diese Vorbilder nicht nur nachzuahmen, sondern zu verstehen und sich daraus eine eigene Haltung zu erarbeiten : so verstehe ich das Goethe-Zitat.

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  6. Ich mag Goethe nicht, aber erst seit Thomas Bernhard weiß ich, dass man das darf. Ändert ja auch nichts an teils unleugbar guten Erzeugnissen.

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    • mickzwo permalink

      Du bist da nicht allein. Er war ein – nicht unerheblicher – Teil der Mode seiner Zeit. Ich gehe davon aus, dass er wußte was er tat. Im Prolog zum Faust heißt es etwa: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Und jeder geht zufrieden aus den Haus.

      Jeder trägt seine Haut zu Markte. (Trad.)

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  1. [Alles mit links] Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen – #Literatur

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