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Warum das hier so heisst, und nicht anders!

13. August 2017

Als ich etwa acht oder neun Jahre alt war bekamen wir Besuch von ein paar Damen mit Hängetasche auf dem Unterarm. Es war Werkunterricht. Die Damen waren geschminkt und rochen so nach Kölnisch Wasser. Für uns war es ein Schulmorgen wie jeder andere. Wir waren emsig bei der Sache, wollten wir doch der Lehrerin imponieren, an die wir so fest glaubten. Was das für Damen waren und warum die unseren Unterricht besuchten, wurde uns nicht gesagt.

Uns störte das nicht, wir waren das nicht anders gewohnt. Ich war gerade damit beschäftigt ein Männlein aus Filz aus zu schneiden um es auf zu kleben. Da war ich schon geschickt drin. Schließlich hatte ich zu Hause ja ein gutes Vorbild, dem ich natürlich nacheifern wollte. Ich bemerkte erst gar nicht, wie so eine Dame mir dabei zusah. Doch dann brachte die den etwas hysterisch klingenden Ausspruch: Nein wie geschickt, und alles mit links!

Nein, wie geschickt!

Nein, wie geschickt!

Vorher wußte ich nicht, welche Seite meine Lieblingsseite ist. In diesem Augenblick wurde es mir plötzlich klar. Jahre später – ich war zwangsläufig erwachsen geworden – habe ich eine Spasspostkarte gesehen. Pedro küsst seine Conchita vor meditrerraner Kulisse und sie denkt: Neeiiin, wie geschickt!!!

So einen Spruch kann man sich wohl nicht entgehen lassen, oder 😉

Den Untertitel hat mir meine Tochter zukommen lassen. Finde ich kongenial.

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From → Liebe, Sprache

17 Kommentare
  1. Mir fiel beim Lesen spontan ein: immer diese rechte Gewalt und ich hatte den Film Das weiße Band vor Augen. Erziehungsmethoden heute sind auf andere Art gewalttätig, weil man die Kinder nicht Kinder sein lässt und glaubt, sie ununterbrochen pädagogisch wertvoll beschäftigen zu müssen.
    Ich musste noch als 13jährige 5 Zeilen grosse G’s üben, weil meine der Englischlehrerin nicht gefielen.
    Liebe Grüsse an all die Persönlichkeiten, die in Dir stecken ,Karin

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  2. Zu meiner Zeit wurde man einfach umtrainiert, weil links das ging gar nicht.

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    • mickzwo permalink

      Bei meinem Vater hieß es „Ein deutscher Junge schreibt rechts!“ Er hat von da an vermieden irgendetwas zu schreiben. Und wenn, dann hat er dreimal angesetzt bevor er eine Unterschrift gab. (Darüber wurde nie gesprochen.) Mein Bruder wurde die Linke an den Stuhl gebunden. So lernte er schreiben. Mir hat man eine gescheuert und ich dachte „Wenn ihr das so wollt, bitte“. Ich bin über eine vier in Schönschrift nie hinausgekommen. Es war mir einfach nicht mehr wichtig. Mein Sohn sollte es besser haben. Er konnte schreiben wie er wollte. Zum Glück!

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  3. Und ich dachte auch, wie Frau Knobloch, dass „Alles mit Links“ so viel heißt wie „Locker vom Hocker“ und damit deine Texte gemeint wären. (Obwohl die ja, wenn ich’s recht bedenke selten aus dem Handgelenk geschüttelt wirken sondern eher akribisch recherchiert).

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    • mickzwo permalink

      Eigentlich ist das Zweideutig. Es meint etwas locker machen und es meint links unterbringen. Die Frau Käthe Knobloch hat natürlich Recht, denn zuerst hat sie den willi und den mick kennen gelernt. Die sind vom Blog Fett/Anthrazit. Und der mick ist so ein Springinsfeld. Der sieht alles leicht und locker. Er ist niemals depressiv oder verzweifelt. willi hat häufig Liebeskummer und hat öfter mal Verluste erlebt, kann es aber kaum fassen, wenn es ihm wieder passiert. Dann gibt es da noch den ernst. Da ist der Name Programm. Der mick weiß nichtmal was depessiv genau bedeutet. Außer es muss was negatives sein. Damit hat er allerdings nichts am Hut. Es ist eine Möglichkeit gewesen mit der Linkshändigkeit umzugehen. Schnodderig zu sein. Es gibt Leute, ordentliche Menschen, die haben Albträume und noch Schlimmeres deswegen. Sie haben oft einen vorbildliche Schrift. Oder man ist schnodderig.

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  4. Engstirnig wie wir sind, sagt man in Mittelhessen Linksdatsch dazu. Würde mich mal interessieren welche lokalen Bezeichnung es für Linkshänder gibt? Leider werden sie nicht immer nett gemeint sein.

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  5. Negative Pädagogik nennt man das wohl.

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  6. „Das machste doch mit links und vierzich Fieber!“ so Ominkels Spruch, wenn ich über zu groß erscheinende Aufgaben jammerte. Danke für diese Erinnerung und natürlich für die namensgebende Anekdote, lieber mick.

    Strahlende Sonnengrüße aus dem lieblichen Lipperland, Ihre Käthe Knobloch.

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  7. Deinen Untertitel bewundere ich schon, seit ich ihn zum ersten Mal gelesen habe. Sowohl einzeln als auch in Kombi mit dem Blogtitel.
    Schönen Sonntag, liebe Grüße
    Christiane

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  8. als Linkspfot grüße ich. Es scheint immer noch als exotisch zu gelten als mit links zu machen. Für mich ist das normal!

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    • mickzwo permalink

      Ein Linkspot zu sein war in meiner Jugend noch ein Makel. Als mein Sohn sechs war, er hat als einziges meiner Kinder diese Tradition weitergeführt, habe ich ihn an die Hand genommen und mir den Spruch, den ich den Lehrern sagen wollte genau überlegt. Es hat sich aber gezeigt, das dieses Ansinnen von mir damals schon obsolet war. Jedenfalls in der Schule, in die mein Sohn gehen sollte. Es wird immer normaler. Gott sei Dank (wem auch immer man da danken will)!

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  9. mickzwo permalink

    Hat dies auf Fett/Anthrazit Blog rebloggt und kommentierte:

    Nochmal: über den Nachbarblog!

    Gefällt 1 Person

Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Warum das hier so heisst, und nicht anders! – #Literatur

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