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punkt punkt komma strich – noch einmal

25. September 2017

24.Dezember 2013

Menschen sind nicht rational und das Leben schon mal gar nicht. Es gibt sogar irrationale Zahlen. Ob das eine andere Geschichte ist, das ist noch nicht raus.

Verweis Vorweg: *
Man soll ja nicht suchen. Nur dann findet man wirklich etwas. Es war kurz vor Weihnachten, ich ging in die kleine Buchhandlung an der Ecke um die Zeit, die ich mir frecherweise einfach genommen hatte, etwas zu verplempern. Mir war eben so. Ich hatte nicht einmal meine Lesebrille dabei. Also ‚Zeit verplempern‘ trifft es dieses Mal in der Tat.

Das einzige Cover, das ich nicht kannte, sah etwas altmodisch und angestaubt aus. Um jetzt nicht ganz aus der Rolle zu fallen ließ ich mir das Buch von der Verkäuferin erklären. So ein bisschen war es wie mit dem einbeinigen Zinnsoldaten und dem Spielzeugladen. Das Buch wurde auch vergessen. Ich habe es zumindest gekauft. Bis Januar musste es allerdings noch in meinem Regal warten, dann war es an der Reihe. *

Beinahe konnte ich verstehen, dass man das Buch vergessen hatte. Ich hatte ja den Inhalt der Geschichte auch nicht mehr präsent. Wie gesagt, es war kurz vor den Feiertagen und mir war eben so; also: Da wird einer in Island gezeugt und aufgewachsen. Wir begleiten ihn und bekommen alles mit. Also, fast alles.

Immer aus verschiedenen Perspektiven, die oft seine sind; das ist jedoch nicht zwingend. Die Orte könnten mal seine werden, wir wissen es nicht. Klar ist, wir befinden uns in Island und die Geschichte beginnt in der Zeit nach dem Weltkrieg II. Ein Agrarland, das von den Begehrlichkeiten des ‚kalten Krieges‘ profitiert und den wirtschaftlichen Aufstieg probt. Etwas sperrig war das schon.

Alles in fragmentarisch, heranwachsend und scheinbar eklektisch. Ab und an fühlte ich mich an körnerpickende Hühner erinnert. Man weiss nicht nach welchem System sie picken, am Ende sind aber die Körner vertilgt. Wäre ich nicht der Mode gefolgt und hätte also schon einige Island-Krimis konsumiert, dann wären Orte und Namen schon so manches mal ein Hindernis in diesem schmalen Bändchen gewesen.

So aber konnte ich mich auf die Gedanken dieser Geschichte konzentrieren und genoß diese ausserordentliche Übersetzung. In der Tat lässt sie vermuten, dass ‚punkt punkt komma strich‘ von Pétur Gunnarsson eine Perle der isländischen Literatur ist. Weil die Hölle bei den anderen ist, sagten sie, muß das Paradies hier sein. ** Wie gut, dass mir so war 🙂

Vergessen braucht man dieses Buch nun wirklich nicht. Es ist auf seine Art spannend. Voller Informationen zu einer – mir bis dahin doch eher fremden – Gesellschaft, ist es punktgenau. Und doch: mit hintergründigen Humor bietet es viel Platz, die gewonnenen Bilder auszumalen. Wer an so etwas Spass hat, der ist hier gut aufgehoben. Menschen sind nicht rational und das Leben schon mal gar nicht.

Die Welt ist groß und Island ist ein Teil davon.

Pétur Gunnarsson: punkt punkt komma strich. Weidle Verlag.
ISBN: 978 3 938803 34 9
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski.

* Dieser Verweis ist nur für Menschen wichtig, die wissen müssen, warum ich dieses Buch letztlich kaufen musste. Ansonsten geht das auch so.

** Seite 20, ebendort

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From → Liebe, Sprache

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