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Ai Weiwei spricht.

15. Dezember 2017

„Wir waren jene,
die wussten,
aber nicht verstanden,
voller Informationen,
aber ohne Erkenntnis,
randvoll mit Wissen,
aber mager an Erfahrung.
So gingen wir,
von uns selbst
nicht aufgehalten.“  *

Meine Zeichnungen dienten mir in erster Linie als Übung, die Welt mit ein paar ganz einfachen Strichen zu erfassen. Das kann sehr unterhaltsam und befriedigend sein. Meine Zeichnungen waren damals die besten, sogar meine Lehrer fanden sie ganz toll und sagten: >> Der Kerl kann verdammt gut zeichnen<<, aber dabei besteht natürlich immer die Gefahr, maßlos zu werden. Wenn man sich die Zeichnungen von Picasso und Matisse anschaut, sieht man, dass sie immer weiter zeichnen, weil sie es einfach so gut können. Ich mag dieses Gefühl nicht, und immer, wenn ich mich zufrieden fühle und mit mir einverstanden bin, versuche ich mich diesem Gefühl zu verweigern und mich ihm zu entziehen. Später bediente ich mich beim Zeichnen anderer Methoden. Ich mache jeden Tag Fotos, was für mich wie Zeichnen ist. Es ist eine Übung darin, was man sieht und wie man es festhält. Und der Versuch, nicht die Hände zu benutzen, sondern die Wahrnehmung und den Kopf. S.108

Ai Weiwei ist der Künstler aus China. Er ist ein Tausendsassa, immer auf der Suche, immer bestrebt sich neu zu erfinden. Manchmal muss er schneller sein, als es die Polizei erlaubt. Das ist so…

Immer rastlos. So ein Ausnahmekünstler ist nicht Ausnahme per se. Er fungiert als Leuchtturm. Dabei will er gar nicht leuchten, er will sich unsichtbar machen, leben wie der Durchschnitt. Genau.

Als Mensch fast naiv, arbeitet er als Künstler sehr konzentriert, professionell. Hat er ein Medium verstanden, wechselt er zu einem anderen. Er arbeitet viel, lässt die Ergebnisse oft – scheinbar – achtlos hinter sich.

Ich glaube nicht, dass er jemals achtlos ist.** Ai Weiwei ist wie ein Leuchtturm für alle anderen.

Ai Weiwei/Hans Ulrich Obrist: Ai Weiwei spricht. Interviews mit Hans Ulrich Obrist. Hanser-Verlag 2011. Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn.
ISBN 978 3 446 23846 6

* R.Willemsen

** Ai Weiwei Drifting | DW Deutsch

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From → Liebe, misc., Sprache

3 Kommentare
  1. Bei seinem Aufenthalt von ca. 10 Jahren in New York und Studium lernte er viel über die Konzeptkunst und die mediale Inszenierung. Zurück in China hatte er so seinen neuen künstlerischen Ansatz.

    Gefällt 2 Personen

  2. Das obige Zitat spricht mir aus der Seele, denn was ist Wissen, wenn die Erfahrung fehlt (?), leeres Wissen…
    Danke mick für diese Buchvorstellung, die mich heute mit ihren Zitaten nähren wird.
    Ich wünsche dir einen schönen und guten Tag,
    herzlichst, Ulli

    Gefällt 2 Personen

Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Ai Weiwei spricht. – #Literatur

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